Schweizer Krankenkassen-Franchise: die Rechnung in vier Zahlen
Schweizer Krankenkassen-Franchise verständlich erklärt: So rechnest du Monatsprämie, Franchise, Selbstbehalt und Spitalbeitrag zusammen und wählst die passende Stufe.
Kurzüberblick
Das Wichtigste vor dem Vergleich
Die Franchise bestimmt, wie viel du pro Jahr zuerst selbst zahlst, bevor die Grundversicherung Leistungen übernimmt. Sie ist einer der wichtigsten Hebel für die Balance zwischen tiefer Prämie und finanziellem Risiko.
- Eine tiefe Franchise gibt mehr Sicherheit, kostet aber monatlich mehr.
- Eine hohe Franchise lohnt sich vor allem bei wenigen erwarteten Gesundheitskosten.
- Prüfe die Wahl immer zusammen mit deinem Versicherungsmodell und deiner Liquidität.
1. Die 4-Kosten-Regel
Schweizer Krankenkassen-Franchise: Die Mathematik dahinter ist einfacher als gedacht. Du musst dir nur vier Zahlen merken – Monatsprämie, Franchise (CHF 300 oder 2’500), 10 % Selbstbehalt (gedeckelt bei CHF 700) und CHF 15/Tag Spitalbeitrag – und du kannst jede Grundversicherungsrechnung vorhersagen, bevor sie kommt.
Dieser Beitrag erklärt die Formel, zeigt, wann welche Kosten greifen, und analysiert eine echte Spitalrechnung – damit du die Mechanik wirklich verstehst. Am Ende warten noch Spar-Tipps.
Die Grundversicherung funktioniert wie ein Spiel mit vier Kostenstufen. Du schliesst jeweils eine ab, bevor die nächste greift:
- Monatsprämie – deine fixe Mitgliedsgebühr. Sie hängt an Kanton, Altersgruppe, Modell und Franchise und liegt für Erwachsene meist im mittleren dreistelligen Bereich.
- Franchise – die ersten CHF 300 – 2’500 pro Jahr zahlst du selbst für gedeckte Leistungen.
- 10 % Selbstbehalt – danach übernimmst du 10 % der Kosten, bis dein Anteil CHF 700 erreicht (Kinder: CHF 350).
- Spitalbeitrag – CHF 15 pro stationärem Tag für Essen & Nebenkosten. Für Kinder, Studierende bis 25 und werdende Mütter entfällt dieser Betrag.
2. Franchise-Stufen: CHF 300 vs 2’500
Es gibt offiziell sechs Optionen (CHF 300 | 500 | 1’000 | 1’500 | 2’000 | 2’500). In der Praxis wählen 95 % der Haushalte eine von zwei Extremen. Warum?
- CHF 300 – am günstigsten, wenn du jährlich mehr als CHF 1’800 an Gesundheitskosten hast (Medikamente, Arztbesuche, geplante Geburten).
- CHF 2’500 – am günstigsten bei erwarteten Kosten unter CHF 1’800 – Prämien sinken um ca. 25 %.
| Option | Ideal für | Prämieneffekt* |
|---|---|---|
| CHF 300 | Regelmässige Arztbesuche, Medikamente, Geburt | Basiswert |
| CHF 2’500 | Seltene Arztbesuche, finanzielles Polster | ≈ 25 % günstiger |
*Genauer Prozentsatz variiert je nach Kanton und Kasse – höhere Franchise = tiefere Prämie, immer.
Weil der Selbstbehalt bei CHF 700 gedeckelt ist, steht dein schlechtestes Jahr von Anfang an fest. Mehr als diese Summe zahlst du an gedeckten Leistungen nie:
- Franchise CHF 300 – höchstens CHF 1'000 im Jahr.
- Franchise CHF 2'500 – höchstens CHF 3'200 im Jahr.
Damit wird die Wahl zu einer Frage, die du selbst beantworten kannst: Rechnest du mit Arztkosten über rund CHF 1'800 bis 2'000 – regelmässige Medikamente, Physiotherapie, eine geplante Operation –, nimm CHF 300. Bist du gesund, gehst selten zum Arzt und hast CHF 3'200 als Reserve verfügbar, nimm CHF 2'500 und spare jeden Monat an der Prämie. Die Stufen dazwischen verteuern die Prämie spürbar, senken das Risiko aber kaum.
3. Eine echte Spitalrechnung (CHF 2’600)
Maria, 31, lebt in Zürich, Standardmodell, Franchise CHF 300. Keine früheren Behandlungen in 2025. Nach einem medizinischen Notfall verbringt sie drei Nächte im Spital.
| Kostenpunkt | Marias Anteil (CHF) | Gesamtkosten für sie |
|---|---|---|
| Spitalbeitrag (CHF 15 × 3 Nächte†) | 45 | 45 |
| Franchise | 300 | 345 |
| 10 % Selbstbehalt auf restliche CHF 2’255 | 225.5 | 570.5 |
† Der Austrittstag zählt nur halb, daher nur drei verrechnete Nächte.
4. Fünf erprobte Sparhebel
- HMO oder Telmed wählen: 10–20 % Rabatt durch erste Kontaktstelle (Hausarzt / Hotline).
- Franchise gezielt erhöhen: Wenn du unter CHF 1’800 bleibst, wähle CHF 2’500.
- Jährlich zahlen: Viele Kassen geben 1–2 % Skonto bei Vorauszahlung.
- Unfalldeckung weglassen: Dein Arbeitgeber versichert dich meist schon komplett.
- Prämienverbilligung beantragen: 1 von 4 Personen hat Anspruch – siehe BAG-Tabelle.
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Entscheidungshilfe
Welche Franchise passt zu dir?
Zwischen der tiefsten und der höchsten Franchise liegen rund 1'400 bis 1'700 Franken Prämienersparnis im Jahr. Der Break-even liegt deshalb bei etwa 1'900 Franken erwarteten Gesundheitskosten – darunter lohnt die hohe Franchise, darüber die tiefe.
| Franchise | Passt, wenn | Was du im schlechten Jahr trägst |
|---|---|---|
| CHF 2'500 | Du warst in den letzten Jahren kaum bei der Ärztin, nimmst keine Dauermedikation und hast 3'200 Franken verfügbar. | Die günstigste Variante für gesunde Erwachsene. Erwartete Kosten unter rund 1'900 Franken im Jahr. |
| CHF 1'500 – 2'000 | Du bist grundsätzlich gesund, willst aber nicht das volle Risiko tragen. | Kompromiss mit kleinerem Sparbeitrag. Rechnerisch selten optimal, aber planbarer. |
| CHF 300 | Du hast eine laufende Behandlung, chronische Beschwerden, nimmst regelmässig Medikamente oder erwartest eine Operation. | Ab rund 1'900 Franken Jahreskosten günstiger. Auch richtig, wenn eine Rechnung über 2'000 Franken dich in Bedrängnis brächte. |
| Kinder: CHF 0 | Fast immer. | Die Ersparnis bis zur höchsten Kinderfranchise liegt bei 100 bis 200 Franken im Jahr und ist mit ein bis zwei Arztbesuchen aufgebraucht. |
Die Zahlen sind Richtwerte und unterscheiden sich nach Kanton, Kasse und Alter. Entscheidend ist neben der Rechnung deine Liquidität: Eine hohe Franchise spart nur dann, wenn du den Selbstbehalt im Ernstfall auch tragen kannst. Die Franchise lässt sich nur auf den 1. Januar ändern.
FAQ
Häufige Fragen
Wird meine Franchise jedes Jahr zurückgesetzt?
Ja, am 1. Januar startet die Zählung wieder bei null.
Kann ich die Franchise unter dem Jahr ändern?
Nein. Änderungen gelten immer erst ab dem nächsten 1. Januar.
Gilt der 10 % Selbstbehalt auch für Medikamente?
Ja, für gedeckte Arzneimittel – aber erst nach Erreichen der Franchise und bis CHF 700.
Zählt eine Schwangerschaft zur Franchise?
Nein. Leistungen bei Mutterschaft – Vorsorge, Geburt und Nachsorge – sind ohne Franchise und ohne Selbstbehalt gedeckt. Auch der Spitalbeitrag von CHF 15 pro Tag entfällt.
Was passiert bei einer sehr hohen Rechnung?
Deine Beteiligung ist nach oben begrenzt: Du zahlst die Franchise plus höchstens CHF 700 Selbstbehalt. Danach übernimmt die Grundversicherung die gedeckten Kosten vollständig – bei einem Spitalaufenthalt kommen nur noch die CHF 15 pro Tag dazu.
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Herkunft und Pflege dieser Seite
- Verfasst von
- Nexin Redaktion
- Fachlich geprüft von
- Thomas SchallertVersicherungsvermittler, VBV-zertifiziert
- Veröffentlicht
- Zuletzt geprüft
- Fristen, Beträge und Gesetzesstellen gegen KVG, KVV und KLV geprüft. Inhaltlich unverändert; ergänzt um eine Entscheidungshilfe, die die Optionen mit einer Empfehlung je Ausgangslage verbindet.
- Nächste geplante Prüfung
Quellen
- KVG (SR 832.10)Fedlex, Bundeskanzlei · abgerufen 6. August 2026
- KVV (SR 832.102)Fedlex, Bundeskanzlei · abgerufen 6. August 2026
- Prämienübersicht priminfo.admin.chBundesamt für Gesundheit · abgerufen 6. August 2026
Änderungen
- Entscheidungshilfe ergänzt: Optionen mit Empfehlung je Ausgangslage.
- Aus dem Blog in den Wissensbereich verschoben. Alte Adresse leitet dauerhaft weiter.




